TEP – Teilzeitberufsausbildung, Einstieg begleiten, Perspektiven eröffnen

Dass eine Berufsausbildung auch in Teilzeit möglich ist, wissen die wenigsten. Gerade dies kann die Lösung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sein. Dabei ist es unerheblich, ob Sie ein alleinerziehendes Elternteil sind, oder die Pflege für einen Familienangehörigen übernommen haben. Das Programm „TEP – Teilzeitberufsausbildung, Einstieg begleiten, Perspektiven eröffnen“ wurde vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW ins Leben gerufen und wird durch die Mittel des Europäischen Sozialfonds finanziert. 
 im Fokus dieses Programms steht, dass Familiäre Verpflichtungen kein Hindernis für die Schaffung einer optimalen Grundlage der beruflichen Karriere sein dürfen.

In Kooperation mit dem SOS Kinderdorf Niederrhein bietet die FachWerk.KreisWesel gGmbH das Programm an. Sie sind im Alter zwischen 25 bis 45 Jahren, dann haben Sie die Möglichkeit in einen individuell ausgerichteten Bewerbungsprozess u. a. durch Coachings, ressourcenorientierte berufliche Orientierung, Qualifizierung und bedarfsorientierte Fördereinheiten begleitet zu werden. Damit Sie erfolgreich in die Teilzeitberufsausbildung einsteigen können, steht hier besonders die Klärung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Vordergrund.  
 Die Teilnahmedauer beträgt in der Regel maximal zwölf Monate. Dabei sind beispielsweise sechs Monate vor Ausbildungsbeginn angedacht sowie die Begleitung der ersten sechs Monate während Ihrer Ausbildung. Die genaue Zeit wird jedoch individuell mit Ihnen festgelegt.

 

Eine Erfolgsgeschichte aus der FachWerk.KreisWesel gGmbH - 
Teilzeit ausgebildet, voll qualifiziert

Interview mit Frau Lisa M. am 27.10.2020 im FachWerk, 
Hauptsitz Moers, Im Moerser Feld 7

Frau Lisa M. hat über den Bildungsträger FachWerk.KreisWesel gGmbH an dem Programm in diesem Jahr teilgenommen, worüber wir mit ihr ein Interview führen durften.  

Da „TEP“ vielen noch nicht bekannt ist, steht dabei als erstes die Frage im Raum, wodurch sie von dem Programm erfahren hat und wie der Weg ins FachWerk vonstattenging. Dazu erzählt Lisa M.: „Als ich bei der Arbeitsagentur war, wurde mir von meinem sogenannten Fallmanager ein Flyer mitgegeben. Das Interesse war sofort da, also rief ich Frau Splitek an, deren Telefonnummer im Flyer angegeben war. Von da aus ging alles recht unkompliziert.“

Lisa M. hatte nicht gerade einen leichten Weg. Ursprünglich hat sie, ohne eine Ausbildung, in der Hotellerie gearbeitet, wohingegen sie sich nun für eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten in der Stadtverwaltung Moers entschieden hat. Somit hat sie einen kompletten Branchenwechsel vollzogen. Mit ihrem Arbeitgeber der Stadt Moers, hat sie eine Arbeitszeit von 30h, statt 39h in der Woche festgelegt. Der Unterschied in der Stundenanzahl ist zwar gering, hilft ihr jedoch enorm, ihren Alltag mit drei Kindern zu stemmen. 

Dass immer noch so wenige Arbeitgeber Ausbildungsplätze in Teilzeit anbieten, findet Frau M. schade. „Es gibt noch zu wenige Angebote dieser Art in der freien Wirtschaft. Das habe ich auch selbst während des Bewerbungsprozesses gemerkt. Viele haben sofort abgelehnt und mir abgesagt. Das ist irgendwie unverständlich, denn jeder, der in Teilzeit aufgrund von familiären Verpflichtungen eine Ausbildung machen möchte, bringt eine ganz andere, vielleicht sogar fundiertere Motivation mit, als Azubiinteressierte unter 20 Jahren die noch keine Verpflichtungen haben und eine Ausbildung machen, weil das nun einmal der normale Verlauf nach der Schule so vorsieht.“ 

Projektkoordinatorin und Sozialpädagogin Annika Splitek ergänzt dazu: „Natürlich kann nicht alles darauf geschoben werden, dass Arbeitgeber die Plätze nicht anbieten wollen. In manchen Berufen ist das gar nicht anders möglich, da auf flexible Arbeitszeiten keine Rücksicht genommen werden kann. Allerdings ist meine Erfahrung auch, dass die Teilnehmenden bereit sind, wirklich dafür alles Mögliche zu tun und auch die Kammern helfen leicht und gerne. Vermutlich ist die Ausbildung in Teilzeit auch bei den Arbeitgebern noch zu unbekannt. Und bei Arbeitgebern, denen das Programm bekannt ist, schwingt immer die Sorge mit, dass die Betreuung der Kinder oder des Familienangehörigen kippt. Das kann natürlich immer passieren, was jedes arbeitende Elternteil weiß. Daher ist es gerade bei den Bewerbenden um eine Ausbildung in Teilzeit extrem wichtig, wie sie sich sicher präsentieren, nämlich als schon bestehender Teil des Wirtschaftssystems mit begründeter, intrinsischer Motivation.“

Das kann Lisa M. nur bestätigen. Allein ihre Stellung in der Klasse spiegelt das wieder. Im Berufskolleg ist sie Klassensprecherin und ist darüber hinaus immer für Fragen ihrer Klassenkameraden offen, denn sie hat den meisten ihrer Stufe einiges mehr an Lebenserfahrung voraus und strahlt dies auch aus.

Das Berufskolleg stellt im Programm „TEP“ die große Hürde dar, denn auch wenn die Ausbildung im Betrieb in Teilzeit verläuft, ist die Berufsschule in Vollzeit zu absolvieren. „Ich musste mich gut informieren, welche Betreuungsangebote es gibt und eine sogenannte Randzeitenbetreuung, die für die Berufsschultage nötig ist, ist gar nicht so leicht zu organisieren.“ Das kann sie wiederum mit der Ausbildungsvergütung nicht allein finanzieren. „Berufsausbildungsbeihilfe steht einem genauso zu, bei der ersten Ausbildung, wie Wohngeld. Unter Umständen gibt es noch mehr Beihilfen oder Zuschüsse, die beantragt werden können. Da wurde ich gut durch Frau Splitek informiert.“ 

Dem Bewerbungsprozess kommt hier eine besondere Gewichtung zu, durch den die erfahrene Sozialpädagogin und Projekt-Fachkraft vom FachWerk, Frau Annika Splitek, Sie fachkompetent berät und begleitet. Sie werden weiterführend bei der Erstellung bzw. Optimierung Ihrer Bewerbungsunterlagen und der Entwicklung einer zielführenden Bewerbungsstrategie, die Sie auf das Vorstellungsgespräch vorbereitet, um mit den besten Voraussetzungen dann ins Jobinterview starten zu können, bestens unterstützt. 
Im Zweifel steht Frau Splitek für Ihre Fragen jederzeit zur Verfügung. Sie sagt: „Jeder Fall ist individuell zu bewerten, auch bei Problemen. Die Teilnehmenden sind beispielsweise meistens froh in der Anfangszeit der Ausbildung noch jemanden im Rücken zu haben, der bei Schwierigkeiten helfen kann. Und auch Arbeitgeber sind für eine Anlaufstelle für den Fall, dass die Ausbildung doch nicht so stattfinden kann wie angedacht, dankbar und nehmen das Angebot auch wahr, um Rücksprache zu halten.“
 
Für Interessenten an einer Ausbildung in Teilzeit hat Lisa M. ein paar Tipps: „Im Lebenslauf ist bei Menschen mit familiären Verpflichtungen oft ein ungerader, vielleicht auch lückenhafter Lebensweg abzulesen. Da ist es besonders wichtig, seine eigene Motivation herauszustellen, sich über den Betrieb gut zu informieren, bei dem man ein Vorstellungsgespräch hat und am allerwichtigsten – Authentizität!“ 
Die Projektkoordinatorin fügt hinzu: „Nicht nur am Lebenslauf ist ein ungerader Weg ersichtlich, die TEP-Teilnehmenden gehen auch mit der Ausbildung oft einen wesentlich unbequemeren Weg. Ohne intrinsische Motivation und festem Ziel vor Augen ist das ein Kraftaufwand, der kaum zu bewältigen wäre.“ Für die ersten Schritte hat Frau Lisa M. genügend eigene Motivation aufbringen können. Nun wird sie auch extrinsisch motiviert: „Finanzielle Unabhängigkeit und ein gutes Vorbild für meine Kinder sein - das wollte ich erreichen. Dass meine Töchter jetzt sagen, dass sie stolz auf mich sind, gerade weil sie sehen, wie viel ich mit der Ausbildung stemme, ist ein tolles Gefühl!“

Das Programm TEP wird durch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW und den Europäischen Sozialfonds gefördert.

Inhalt:

TEP unterstützt Menschen mit Familienverantwortung, vor allem junge Mütter (und Väter) 

  • bei der Suche nach einem betrieblichen Ausbildungsplatz in Teilzeit 
  • gibt Hilfestellung, um Familie und Ausbildung zu vereinbaren
  • coacht und qualifiziert die Teilnehmerinnen und Teilnehmer
  • bereitet sie auf den Beruf vor
  • und begleitet sie individuell während der ersten Ausbildungsmonate

 

Zielgruppe:

Alle interessierten Frauen und Männer mit familiären Verpflichtungen im Alter zwischen 25 bis 45 Jahren

 

Laufzeit

  • Bis zu 6-monatige Vorbereitungsphase 
  • Begleitung während der Ausbildung bis zu 8 Monaten
  • Gesamtlaufzeit höchstens 12 Monate 

 

Ihre Ansprechpartnerin: 

Annika Splitek, Sozialpädagogin und Projekt-Fachkraft

Telefon: 02841 9813304
annika.splitek@fachwerk-wesel.de